Gymnasium Warstade
Ausflug in die Geschichte – Warstader Gymnasiasten besuchen Lager Sandbostel
Mit freundlicher Genehmigung der NEZ/Klingenberg (März 2007); Fotos: Klingenberg/Kahrs

Hemmoor/Bremervörde (kli). „Eintauchen in die Geschichte“ könnte man nennen, was 20 Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Warstade zur Vorbereitung ihrer Facharbeiten im Seminarfach kürzlich unternahmen: Sie besuchten die Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel.
Von den Nationalsozialisten wurde das STALAG X B (Mannschafts-Stammlager B im Wehrkreis X, Hamburg) ab September 1939 bis zu seiner Befreiung im April 1945 genutzt zur Unterbringung Hunderttausender Menschen. Kriegsgefangene, Internierte, Angehörige der britischen Handelsmarine, Teilnehmerinnen am Warschauer Ghetto-Aufstand 1944 und zuletzt auch etwa 10.000 KZ-Häftlinge waren darunter. Die Schätzungen der Zahl der Toten in diesen rund fünfeinhalb Jahren schwanken zwischen 8000 und 50.000.
Nach Kriegsende wurden einige tausend hochrangige SS- und NS-Führer im Lager zur „Umerziehung“ interniert, in den Fünfzigern dienten die bis dahin noch existierenden Baulichkeiten als Durchgangslager für jugendliche DDR-Flüchtlinge.
1992 wurde ein Verein für die Erhaltung der Gedenkstätte gegründet, der das Gelände kaufte. Seit dieser Zeit stehen auch die meisten der rund 25 noch zumindest zum Teil erhaltenen Gebäude unter Denkmalschutz. In einer Wohnung in Bremervörde unterhält der Verein unter der Leitung von Dr. Klaus Volland ein Archiv und eine kleine Ausstellung mit einem Modell des Lagers. Im Jahr 2004 wurde die Stiftung „Lager Sandbostel“ gegründet, da die Überreste eines solchen Lagers einmalig in Deutschland sind.
Klaus Volland, Lehrer am Gymnasium  Bremervörde, empfing die Warstader Gymnasiasten in der Ausstellung, erläuterte das Lager anhand des Modells (Bild ganz oben) und zeigte zwei Filme. Anschließend ging es zum Lager. Dort wurden die Lagerkirche (nach dem Krieg gebaut) und das Barackengelände besichtigt.
Die Warstader Gymnasiasten versuchen in ihren Facharbeiten die Zeit des Kriegsendes aufzuarbeiten und befragen dazu unter anderem Zeitzeugen in ihren 18 Heimatorten. Im Gegensatz zum Stader und Bremervörder Bereich liegen für Nordkehdingen und Hadeln keine ausreichenden Aufzeichnungen und Berichte über die diversen Außenlager und Zwangsarbeitseinsätze der Kriegsgefangenen vor, hier sollen Lücken geschlossen werden, so lange noch Zeitzeugen Auskunft geben können. Mitbürger, die diese Zeit hier erlebt haben und Auskunft geben möchten, können sich im Gymnasium Warstade bei Oberstudienrat Hans-Hinrich Kahrs, Telefon (04771) 68850, melden.

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