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Hemmoor/Bremervörde
(kli). „Eintauchen in die Geschichte“ könnte man nennen, was 20 Schülerinnen
und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Warstade zur
Vorbereitung ihrer Facharbeiten im Seminarfach kürzlich unternahmen: Sie
besuchten die Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel.
Von den Nationalsozialisten wurde das STALAG X B (Mannschafts-Stammlager B
im Wehrkreis X, Hamburg) ab September 1939 bis zu seiner Befreiung im
April 1945 genutzt zur Unterbringung Hunderttausender Menschen.
Kriegsgefangene, Internierte, Angehörige der britischen Handelsmarine,
Teilnehmerinnen am Warschauer Ghetto-Aufstand 1944 und zuletzt auch etwa
10.000 KZ-Häftlinge waren darunter. Die Schätzungen der Zahl der Toten
in diesen rund fünfeinhalb Jahren schwanken zwischen 8000 und 50.000.
Nach Kriegsende wurden einige tausend hochrangige SS- und NS-Führer im
Lager zur „Umerziehung“ interniert, in den Fünfzigern dienten die bis
dahin noch existierenden Baulichkeiten als Durchgangslager für
jugendliche DDR-Flüchtlinge.
1992 wurde ein Verein für die Erhaltung der Gedenkstätte gegründet, der
das Gelände kaufte. Seit dieser Zeit stehen auch die meisten der rund 25
noch zumindest zum Teil erhaltenen Gebäude unter Denkmalschutz. In einer
Wohnung in Bremervörde unterhält der Verein unter der Leitung von Dr.
Klaus Volland ein Archiv und eine kleine Ausstellung mit einem Modell des
Lagers. Im Jahr 2004 wurde die Stiftung „Lager Sandbostel“ gegründet,
da die Überreste eines solchen Lagers einmalig in Deutschland sind.
Klaus Volland, Lehrer am Gymnasium Bremervörde, empfing die Warstader
Gymnasiasten in der Ausstellung, erläuterte das Lager anhand des Modells
(Bild ganz oben) und zeigte zwei Filme. Anschließend ging es zum Lager. Dort wurden die
Lagerkirche (nach dem Krieg gebaut) und das Barackengelände besichtigt.
Die Warstader Gymnasiasten versuchen in ihren Facharbeiten die Zeit des
Kriegsendes aufzuarbeiten und befragen dazu unter anderem Zeitzeugen in
ihren 18 Heimatorten. Im Gegensatz zum Stader und Bremervörder Bereich
liegen für Nordkehdingen und Hadeln keine ausreichenden Aufzeichnungen
und Berichte über die diversen Außenlager und Zwangsarbeitseinsätze der
Kriegsgefangenen vor, hier sollen Lücken geschlossen werden, so lange
noch Zeitzeugen Auskunft geben können. Mitbürger, die diese Zeit hier
erlebt haben und Auskunft geben möchten, können sich im Gymnasium
Warstade bei Oberstudienrat Hans-Hinrich Kahrs, Telefon (04771) 68850,
melden.
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