10.07.2006 Gedenkstättenexkursion im Rahmen des Themas
"Nationalsozialismus" in den Klassen 10
Statt nach Neuengamme oder Bergen-Belsen führte die Exkursion in diesem Jahr in
das ehemalige Stalag X B (Mannschafts-Stammlager B im Wehrkreis X, Hamburg) Sandbostel
südlich von Bremervörde. Hier waren im Laufe der Jahre bis zu seiner Befreiung im April
1945 einige hundert- tausend Kriegsgefangene aus der ganzen Welt untergebracht, vor allem
aus der Sowjetunion, aus Frankreich, Jugoslawien und Großbritannien, aber in den letzten
Kriegstagen auch etwa 10.000 KZ-Häftlinge aus dem aufgelösten KZ Neuengamme. Die
britischen Truppen brannten im Mai 1945 mehrere Lagerareale wegen einer Typhusepidemie
nieder, aber es sind immer noch 25 Gebäude des Stalag X B erhalten, die seit 1992 unter
Denkmalsschutz stehen, aber wegen fehlender Mittel überwiegend dem weiteren Verfall
preisgegeben sind. Nach dem Krieg wurden im Lager zunächst einige tausend Funktionäre
der NSDAP
interniert, von 1952 bis 1960 dienten die bis dahin noch existierenden Baulichkeiten als
Durchgangslager für jugendliche DDR-Flüchtlinge.
Die 10. Klassen (Geschichtslehrer: Herr Kraatz-Peters, Herr Brandt) begannen ihre
Exkursion zunächst im Dokumentationszentrum in Bremervörde, wo sie von Dr. Klaus
Volland, dem spiritus rector der Gedenkstätte, in das Thema eingeführt wurden.
Mit dem Bus ging es anschließend in das ehemalige Lager, wo der Zustand der Gebäude (s.
Bild rechts) den Schülern eindringlich die Notwendigkeit von Sanierungsarbeiten vor
Augen führte. Hieraus ergab sich auch eine Diskussion über die künftige Gestaltung der
Gedenkstätte. Die letzte Station unserer Fahrt war dann die Kriegsgräberstätte
Sandbostel, wo sehr viele (die Zahlen schwanken stark) sowjetische Kriegsgefangene, aber
auch Soldaten anderer Nationen und auch KZ-Häftlinge bestattet wurden.
Wieder einmal zeigte sich, dass die "originale Begegnung" die Schüler
mehr zu beeindrucken vermag als Bücher, Filme oder Lehrervorträge. Ein Dank aber auch an
Dr. Volland, der uns kenntnisreich ein anschauliches Bild des Lagers in einer dunklen Zeit
zeichnete.
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Literatur:
W. Borgsen, K. Volland: Stalag X B Sandbostel. Zur Geschichte eines
Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Norddeutschland 1939-1945, Bremen 1991
Empfehlenswert (trotz des etwas reißerischen Titels) auch der
Aufsatz
"Relikte aus der Hölle: Grabungen im Lager Sandbostel", von
Dietrich Alsdorf, in: Die Oste von der Quelle bis zur Mündung, Hg. Arbeitsgemeinschaft
Osteland e.V., Verlag Atelier im Bauernhaus 2006, S.114ff. (Dieses Buch sollte eh in
jedem Bücherschrank stehen!) |